Der Banco de España sieht 2029 als mögliches Startjahr für den digitalen Euro. Das erklärte Juan Ayuso, Generaldirektor für Operationen, Märkte und Zahlungssysteme der spanischen Zentralbank, am 14. Oktober 2026 in einem Interview mit der mallorquinischen Zeitung Última Hora. Der Zeitplan sei eine Prognose und hänge von noch abzuschließender Gesetzgebung auf europäischer Ebene und von technischen Erprobungen ab, heißt es zudem in einem begleitenden Pressetext des Banco de España.
Ayuso ordnet den digitalen Euro als öffentliches, von der Zentralbank getragenes Zahlungsmittel ein, das Bargeld und private digitale Lösungen ergänzen soll. Ziel sei es, das Gleichgewicht zwischen öffentlichen und privaten Zahlungsinstrumenten zu wahren. Als Gründe nennt er finanzielle Inklusion, höhere Resilienz gegenüber Ausfällen und eine geringere Abhängigkeit von nicht-europäischen Zahlungsanbietern.
Zu den technischen Eckpunkten führt Ayuso aus, dass der digitale Euro zwei Betriebsarten vorsehen soll. Eine Offline-Funktion soll Zahlungen ohne Netzverbindung ermöglichen; eine Online-Variante würde transaktionsbezogene Nachvollziehbarkeit erlauben. Beim Datenschutz betont die Zentralbank, die Systemarchitektur verhindere den Zugriff der Zentralbank auf personenbezogene Zahlungsdaten. Zahlungsdienstleister erhielten lediglich in begrenztem Umfang Einblick, um ihre gesetzlichen Pflichten zu erfüllen. Offline-Zahlungen sollen „praktisch anonym“ sein, allerdings mit zeitlichen und betragsmäßigen Grenzen, um Geldwäschevorschriften einzuhalten.
Für Spanien und besonders für stark dienstleistungsgeprägte Regionen wie die Balearen könnte der digitale Euro laut Ayuso die Kaufabwicklung für inländische und europäische Reisende vereinfachen, weil er ein europaweit nutzbares, einheitliches Zahlungsmittel bereitstellt. Zugleich unterstreicht er die Bedeutung von Bargeld für Inklusion und Krisenfestigkeit und stellt dessen Fortbestand in Aussicht. Vor der möglichen Einführung 2029 schließt Ayuso Pilotphasen und begrenzte Tests nicht aus.
Die Hinweise des Banco de España fügen sich in die laufende EU-Debatte über ein zentralbankgestütztes Digitalgeld. Die Nennung eines Zieljahres ist für Politik, Aufsicht und Zahlungsbranche relevant, bleibt aber konditional. Rechtsakte auf europäischer Ebene, technische Spezifikationen und Ergebnisse aus Pilotprojekten können den Zeitplan beschleunigen oder verzögern. Ayusos Aussagen sind damit als sorgfältig abgewogene Einschätzungen zu verstehen, nicht als endgültige Festlegung.
Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).