Die Aktie des Olivenölherstellers Deoleo ist am Mittwoch, 19. August, an der Bolsa de Madrid zeitweise um rund 20 Prozent auf etwa 0,44 Euro gestiegen. Auslöser waren Berichte, wonach die andalusische Agrargenossenschaft Dcoop ein Übernahmeangebot über 470 Millionen Euro für Deoleo vorgelegt habe. Weder Dcoop noch Deoleo bestätigten die Details; die Gespräche seien nicht abgeschlossen, hieß es übereinstimmend in spanischen Medien unter Verweis auf mit der Sache vertraute Personen.
Nach Angaben von elDiario.es, Europa Press und 20minutos führten die Meldungen im Verlauf des Handelstags zu der kräftigen Kursreaktion im Mercado Continuo. Die Medien betonen zugleich, dass der Bieterprozess weiterläuft und eine Einigung noch Wochen dauern könnte.
Zugeschriebene Aussagen: Vertreter von Dcoop erklärten gegenüber der Agentur Efe, die Genossenschaft prüfe Marktchancen und halte es für ungünstig, wenn Spanien in einem strategischen Sektor die Führungsrolle verliere. Konkrete Auskünfte zu einer Offerte gaben sie nicht. Deoleo lehnte eine Stellungnahme ab.
Zum Prozess: Im Zentrum steht nach übereinstimmenden Berichten vor allem der rund 57-prozentige Anteil des Finanzinvestors CVC Capital Partners an Deoleo. Der Verkaufsprozess wird demnach von KPMG begleitet; einzelne Medien hatten zuvor einen möglichen Abschluss im September in Aussicht gestellt. Diese Zeitangaben sind allerdings nicht bestätigt.
Hintergrund: Deoleo zählt mit Marken wie Carbonell, Hojiblanca und Koipe zu den prägenden Anbietern im spanischen Lebensmitteleinzelhandel. Bereits Anfang Juli hatte die Aktie nach Hinweisen auf Übernahmeinteresse europäischer Wettbewerber mehr als elf Prozent zugelegt. Als mögliche Interessenten wurden in Berichten unter anderem Coricelli aus Italien und Lesieur aus Frankreich genannt.
Ein erfolgreicher Einstieg von Dcoop würde die Eigentümerstruktur des größten spanischen Olivenölabfüllers zugunsten einer Produzentenorganisation verschieben. Das könnte Auswirkungen entlang der Wertschöpfungskette haben – von der Beschaffung über Preisbildung bis zu Verhandlungen mit dem Handel – und eine industriepolitische Debatte über die Kontrolle eines als strategisch geltenden Sektors in Spanien befeuern. Solange jedoch keine offiziellen Mitteilungen der beteiligten Unternehmen vorliegen, bleiben Höhe und Ausgestaltung eines möglichen Angebots, die Finanzierung sowie etwaige Zusagen zu Beschäftigung und Markenführung offen.
Redakteur: Daniel Mayer (Artikel mit KI-Unterstützung).