Das Observatorio del Alquiler der Fundación Alquiler Seguro wirft der staatlichen Wohnungsagentur Casa 47 vor, ihr eigenes Erschwinglichkeitsziel zu verfehlen. In einer am 22. September 2026 vorgelegten Analyse heißt es, die in dem neuen Portal inserierten 638 Wohnungen seien für Haushalte mit dem jeweils geforderten Mindesteinkommen nicht im Sinne der 30‑Prozent‑Regel erschwinglich. Schon die Nettomiete entspreche in der Regel 30 Prozent dieser Mindesteinkünfte; würden Versorgungsleistungen und weitere regelmäßige Nebenkosten hinzugezählt, steige die Belastung darüber hinaus.
Die Vorgabe, dass ein Haushalt nicht mehr als 30 Prozent seines Einkommens für Wohnen aufwenden soll, ist politisches Ziel der spanischen Regierung und wurde bei der Vorstellung des Portals von Casa 47 am 7. September 2026 bekräftigt. Rechtsgrundlage der neuen Struktur ist eine im Boletín Oficial del Estado veröffentlichte Resolution der Präsidentschaft der Entidad Estatal de Vivienda. Die internen Pläne und Regelwerke schreiben vor, dass bei der Beurteilung der Erschwinglichkeit neben der Miete auch laufende „suministros“, also Versorgungsleistungen, und weitere obligatorische Kosten einzubeziehen sind.
Die Auswertung des Observatorio del Alquiler stützt sich auf die im Portal veröffentlichten Angebotsdaten und auf Durchschnittswerte für Zusatzkosten. Sie kritisiert zudem Lücken und Unschärfen in den Inseraten, etwa bei der Energiekennzeichnung, der Ausweisung von Nebenkosten und der Zuordnung zu als angespannt deklarierten Zonen. Als Beispiele werden Regionen wie Gijón genannt, wo die geforderten Mindesteinkünfte in den Falllisten zwischen unterschiedlichen Beträgen variieren, die angebotene Miete aber bereits den 30‑Prozent‑Anteil erreicht.
Die staatliche Linie und die Marktbeobachtung treffen damit aufeinander: Während Casa 47 und das Ministerium für Wohnungswesen mit dem Portal den Zugang zu bezahlbarem Wohnraum erleichtern wollen, bemängeln Fachstellen, dass die tatsächliche Gesamtbelastung vieler Bewerberhaushalte die Zielmarke übersteigt. Die Kritik richtet sich ausdrücklich gegen Methodik und Datenlage der Inserate, nicht gegen das politische Ziel an sich.
Konkrete Folgen ergeben sich vor allem für Haushalte mit niedrigen Einkommen: Wenn Angebotspreise formal nur die Nettomiete berücksichtigen, bleibt die Gesamtbelastung in der Praxis höher als politisch vorgesehen. Aus den vorliegenden Stellungnahmen geht hervor, dass Casa 47 und das Ministerium für Wohnungswesen aufgefordert sind, die Kalkulation transparent zu machen, Inseratsdaten zu vervollständigen und die Vergabekriterien so anzupassen, dass die 30‑Prozent‑Regel auf Basis der Gesamtkosten eingehalten wird. Offizielle Ankündigungen zu kurzfristigen Korrekturen lagen bis Redaktionsschluss nicht vor.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).