Aktuell

Amnesty: Marokkos Geheimdienst setzte Pegasus gegen spanische Regierungsstellen ein

Amnesty International veröffentlicht am 1. Oktober 2026 Belege, dass der marokkanische Inlandsgeheimdienst Pegasus auch für Angriffe in Spanien nutzte – betroffen waren laut Bericht amtliche Telefone des Verteidigungs- und des Innenressorts.

Amnesty International hat am 1. Oktober 2026 einen Bericht vorgelegt, der den marokkanischen Inlandsgeheimdienst als Nutzer der Spähsoftware Pegasus identifiziert und dessen Infrastruktur mit Angriffen in Spanien verknüpft. Die Untersuchung unter dem Titel „We start with the verdict“ ordnet die Direction Générale de la Surveillance du Territoire (DGST) als Pegasus‑Kunden zu und dokumentiert Einsätze zwischen 2017 und 2021. Für Spanien führt Amnesty technische Indikatoren an, die Angriffe auf amtliche Telefone des Verteidigungsministeriums und des Innenministeriums belegen sollen. Das Smartphone von Regierungschef Pedro Sánchez sei im Mai und Juni 2021 kompromittiert worden; für diesen Fall nennt der Bericht jedoch kein spezifisches iMessage‑Konto.

Die Zuschreibung stützt Amnesty auf forensische Analyse, interne Unterlagen der NSO Group, Gerichtsdokumente und Zeugenaussagen. Demnach seien von der DGST genutzte Server und Adressräume wiederholt bei Angriffen auf Menschenrechtsverteidiger, Journalistinnen und Politikerinnen in mehreren Ländern, darunter Frankreich und Spanien, identifiziert worden. Für Spanien nennt der Bericht keine namentlichen Opferlisten; er spricht stattdessen von Angriffen auf die Kommunikationsmittel der Ministerin für Verteidigung und des Ministers des Inneren in dem genannten Zeitraum.

Der Befund fällt in eine politisch sensible Phase: 2021 belasteten Migrations- und Grenzkonflikte die Beziehungen zwischen Madrid und Rabat. Der Bericht stellt einen zeitlichen Zusammenhang her, ohne daraus eine rechtliche Bewertung abzuleiten. Marokkos Behörden hätten auf eine Benachrichtigung vorab nicht reagiert; eine inhaltliche Gegenposition mit vergleichbarer technischer Tiefe liege Amnesty zufolge nicht vor. Spanische Regierungsstellen hatten zuvor einzelne Gerätekompromittierungen öffentlich gemacht; eine umfassende, forensisch belastbare staatliche Entkräftung der von Amnesty dokumentierten Angriffe ist bislang nicht bekannt.

Amnesty fordert unabhängige Untersuchungen, gerichtliche Überprüfungen kompromittierter Geräte sowie starke gesetzliche Schutzmechanismen gegen rechtswidrige Überwachung. Bis dahin solle der Export von Überwachungstechnologie ausgesetzt werden. Für die spanische Politik erhöht der Bericht den Druck, parlamentarische Aufklärung zu sichern und Verantwortlichkeiten zu klären. Für die Beziehungen zu Marokko dürfte er neue diplomatische Erklärungsbedarfe schaffen, auch wenn eine abschließende juristische Bewertung der Vorwürfe aussteht.

Die Kernaussagen sind klar zuzuordnen: Es handelt sich um Feststellungen und Bewertungen von Amnesty International, die auf beschriebenen technischen Spuren, internen Firmendokumenten und Gerichtsakten beruhen. Konkrete Täterschafts- und Befehlskettenzuschreibungen über die DGST hinaus erhebt der Bericht nicht. Gleichzeitig liefert die Dokumentation überprüfbare Indikatoren, die die spanische Justiz und Kontrollgremien nachzeichnen können.

Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

Ende des Artikels

Anzeige

Aus dem PHOTRA-Netzwerk